Ein Kollege sagt in einer Sitzung: „Das ist falsch.“ Ohne Einleitung, ohne höfliche Umschreibung. Hier muss man entscheiden: Ist die Person unhöflich oder praktiziert sie die deutsche Sachorientierung, bei der die Korrektur der Sache wichtiger ist als die Harmonie?, Ein ausländischer Partner erreicht freitags ab 16:00 Uhr niemanden mehr für ein dringendes Problem. Geht es um mangelnde Arbeitsmoral oder um den Wert der Lebenswelt-Trennung (Work-Life-Balance), die in Deutschland strukturell tief verankert ist?, Ein Gast kommt 15 Minuten „nach“ der Zeit zu einer privaten Einladung. Der deutsche Gastgeber wirkt distanziert. Ist der Gastgeber pingelig oder wurde hier ein impliziter Vertrag über gegenseitigen Respekt verletzt?, Auf die Frage „Wie geht es dir?“ antwortet ein Deutscher ehrlich mit seinen Rückenproblemen, statt „Fine, thanks“ zu sagen. Ist er ein Jammerer oder lehnt er oberflächlichen Smalltalk zugunsten von Authentizität ab?, Ein neuer Mitarbeiter betritt ein Büro, in dem alle Türen zu sind. Fühlt er sich ausgeschlossen (soziale Ebene) oder versteht er, dass dies ein Raum für maximale Konzentration (Raumdistanz) ist?, Ein Mitarbeiter erhält monatelang kein Lob für fehlerfreie Arbeit. Ist der Chef unzufrieden oder handelt er nach dem Motto „Nicht geschimpft ist Lob genug“, was bedeutet, dass alles perfekt läuft?, Bei einer neuen Vision werden sofort Bedenken und Paragraphen geäußert. Sind das „Bedenkenträger“ oder ist es der Versuch der Unsicherheitsvermeidung, um ein Projekt durch Planung abzusichern?, Zwei Deutsche diskutieren lautstark und fast aggressiv über ein Fachthema. Ein Beobachter fürchtet um die Beziehung. Ist der Streit real oder ist es eine konstruktive Streitkultur, bei der man sich in der Sache zofft, aber danach zusammen ein Bier trinkt?, Jemand überquert bei Rot eine völlig leere Straße und wird von einem Passanten gemaßregelt. Ist der Passant ein Hilfssheriff oder geht es um das kollektive Verständnis von Regelkonformität als Basis für gesellschaftliches Funktionieren?, Ein Vorgesetzter bietet nach Jahren der Zusammenarbeit immer noch nicht das „Du“ an. Ist er arrogant oder nutzt er das „Sie“, um eine professionelle Distanz zu wahren, die beide Seiten vor emotionalen Verwicklungen schützt?.
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